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Reorganisationen: So setzt sich der AVR für die Betroffenen ein

«Die steigende Anzahl Reorganisationen bei Roche in immer kürzerer Zeit macht uns Sorgen», sagt Adnan Tanglay, Präsident des Angestelltenverbands Roche (AVR).

Der Hintergrund: Die ganze Pharma-Branche befindet sich im Wandel. Roche kommt durch den Auslauf von Patenten wichtiger Umsatzträger und den Eintritt der Nachahmerprodukte (Biosimilars) unter Druck.

Die Ankündigung einer «Pharma Transformation» von Daniel O’Day, Chief Executive Officer Roche Pharmaceuticals und Mitglied der Roche-Konzernleitung, löste in verschiedenen Pharmabereichen Reorganisationen aus. Der AVR ist zurzeit in den folgenden Restrukturierungsprogrammen eingebunden: Global Infrastructure & Solutions (GIS), One Procurement, Pharma Development/Clinical Operations (PDG), Kaiseraugst Packaging Transformation (PT), Small Molecule Asset Transformation (SMAT), Global Access und Pricing Strategy (GPS), Pharma Technical Registration(PTR) und ReModelGRA (Global Regional Affiliates) mit Pharma Finance und Pharma Informatics.

Das Ziel dieser Reorganisationsprogramme ist das Einsparen von Kosten durch das Überprüfen und Verbessern der Strukturen. Dabei geht es nicht nur, aber auch um Stellenabbau: Teilweise werden neue Positionen geschaffen, teils werden Bereiche in kostengünstigere Länder ausgelagert und teilweise Aktivitäten zusammengelegt (Shared Service Centers/Hubs).

In der Schweiz sind einige hundert Roche-Mitarbeitende von den Reorganisationen tangiert, wobei nicht jede und jeder automatisch seine Stelle verliert. Allerdings zählte Roche letztes Jahr schweizweit erstmals in ihrer Geschichte weniger Mitarbeitende als im Jahr zuvor.

Immer schnellerer Ablauf

Andreas Winkler, Kassier des AVR, meint: «Es passiert zurzeit unglaublich viel. Oft ist es schwierig herauszufinden, was läuft, denn die Reorganisationen laufen immer schneller ab.»

Die Aufgabe des AVR ist es nun, möglichst rasch die Strategie hinter der jeweiligen Reorganisation und den Gesamtkontext zu verstehen. Zu diesem Zweck arbeitet er sich umfassend in das Thema ein, um später auf Augenhöhe verhandeln und fundierte Stellungnahmen für Personalabteilung, Management und Konzernleitung verfassen zu können. «Das kostet uns viel Zeit und Kraft neben unserem eigentlichen Job», erklärt AVR-Vizepräsident Gernot Scharf. Der Verband sucht dabei auch das Gespräch mit dem Personal aus den betroffenen Bereichen, um Informationen aus erster Hand zu erhalten. «Die Mithilfe der Mitarbeitenden ist für uns sehr wichtig», so Scharf.

Alternative Wege aufzeigen

In den Konsultationsgesprächen verfolgt der AVR das Ziel, möglichst viele der geplanten wegfallenden Positionen zu erhalten und damit den Mitarbeitenden eine Weiterbeschäftigung zu ermöglichen. Oftmals werden die Positionen stark verändert, was zur Folge haben kann, dass sich Stelleninhaber neu bewerben müssen. Der AVR versucht Wege zu finden, in denen ein direktes Platzieren (Mappen) der Betroffenen auf diese neuen Funktionen ermöglicht wird.

Weiter zeigt der AVR Alternativen zu den geplanten Kündigungen auf und schlägt unter anderem Substitutionspensionierungen vor – also, dass sich jemand frühpensionieren lässt, damit eine von einer Restrukturierung betroffene Person weiterbeschäftigt werden kann.

Lässt sich eine Kündigung trotzdem nicht vermeiden, erhalten die Betroffenen professionelle Unterstützung im Neuorientierungszentrum (NOZ) von Roche, das für die Jobvermittlung innerhalb des Unternehmens zuständig ist und eine Erfolgsquote von 96 Prozent aufweist.

Alle von den momentanen Restrukturierungen betroffenen Mitarbeitenden erhalten den vom AVR ausgehandelten Sozialplan 2018/2019. Alle sechs Wochen hat der AVR zudem eine Sitzung mit den Human Resources und dem NOZ, bei dem es darum geht, Einzelfälle nachzuverfolgen sowie Härtefälle zu vermeiden. AVR-Präsident Adnan Tanglay betont aber: «Wir hängen uns so früh wie möglich in das Thema rein, damit es erst gar nicht so weit kommt.»

Sabine Knosala