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Offsite-Meeting 2018 im Zeichen des Wandels

Die einzige Konstante ist der Wandel. Daher muss sich die Einstellung im Kopf jedes Einzelnen ändern: Das ist kurz zusammengefasst die Schlussfolgerung des Offsite-Meeting des Angestelltenverbands Roche (AVR), das dieses Jahr vom 27. bis 29. Juni im Hotel Rigi Kaltbad stattfand. Mit von der Partie waren der Vorstand des AVR Basel mit Präsident Adnan Tanglay, der Vorstand der AVR-Sektion Innerschweiz mit Präsident Reto Buholzer und die Human Resources (HR), vertreten unter anderem durch Bruno Weissen, Leiter HR Basel/Kaiseraugst, Daniel Meier, Leiter HR Reinach AG, Jane Weinmann, Leiterin HR Rotkreuz RDI, und Ursula Lottenbach, Leiterin HR Rotkreuz RDS.

Regina Pfister, HR BP Basel, stellte den Anwesenden den aktuellen Stand in Bezug auf die Performance Improvement Plans (PIPs) vor – auf Deutsch Leistungsverbesserungsnachweise. Sie kommen dann zum Zug, wenn Mitarbeitende die Anforderungen im Job nicht erfüllen, was jedoch nur bei fünf Prozent des Personals der Fall ist. Im Jahr 2017 waren 29 PIPs erstellt worden gegenüber 18 im Jahr 2016. Davon konnten im letzten Jahr neun und im Jahr davor acht erfolgreich abgeschlossen werden. Bei dem Rest der Fälle kam es zu Kündigungen, entweder von Arbeitnehmer- oder -geberseite, oder zu anderen Lösungen wie einer Rückstufung in der Funktionsklasse.

Eigenverantwortung übernehmen

In diesem Zusammenhang verwies Bruno Weissen auf das Neuorientierungszentrum (NOZ) der Roche, das seit 2006 existiert und eine Erfolgsquote von 96 Prozent ausweisen kann: Ein Drittel aller gekündigten Mitarbeitenden findet intern eine neue Stelle, ein Drittel geht in Frühpension und das letzte Drittel findet extern eine neue Arbeit. «Wir können aber nur diejenigen unterstützen, die sich darauf einlassen», betonte Weissen. Die Geschwindigkeit der Veränderungen habe zugenommen. Die Antwort auf Reorganisationen sei die Employability, also jederzeit fit für den Arbeitsmarkt zu sein. «Die Mitarbeitenden müssen diesbezüglich Eigenverantwortung übernehmen», so Weissen.

Das neue Tool dafür stellte Jane Weinmann vor: Workday, das neue HR-Informationssystem, das CHRIS ersetzt hat, ist auch eine Art Roche-internes Linkedin. Mitarbeitende können auf dieser Internetplattform ein berufliches Profil von sich erstellen, sich weltweit mit anderen Roche-Leuten vernetzen und von HR-Mitarbeitenden leichter gefunden werden. Für die persönliche Weiterbildung, unter anderem in Bezug auf Workday, sorgt Learning burst: Auf http://learn.roche.com/people-practices-workouts/pick-a-workout/  kann man sich für acht Lektionen anmelden, die man dann im eigenen Tempo im Internet durcharbeiten kann.

Aber auch die HR-Abteilung selbst ist im Wandel begriffen: Zur Zeit denkt die Personalabteilung unter dem Titel «New ways of working» (neue Wege des Arbeitens) intensiv über das HR-Modell der Zukunft nach. Verbesserungen sollen ab dem vierten Quartal dieses Jahres umgesetzt werden.

Zu den Herausforderungen, die auf die Roche im Bereich Pharma zukommen, referierte Daniel Meier: So laufen, wie bereits mehrfach informiert wurde, bei einigen Medikamenten-Klassikern die Patente aus, sodass das Unternehmen 40 Prozent seines Umsatzes verlieren könnte. Dazu kommt unter anderem, dass andere Firmen versuchen, Biosimilars auf dem Markt zu etablieren. «Die einzige Gegenmassnahme ist, neue Produkte in neuen Sektoren zu lancieren», zeigte sich Meier überzeugt. Warum man denn nicht einfach Generika produziere, wollte jemand aus dem Publikum wissen. «Das ist eine strategische Entscheidung. Die Roche hat sich traditionell der Innovation verschrieben», so Meier.

Ursula Lottenbach berichtete vom Wandel in der Diagnostikbranche: «Heute werden nicht mehr nur einzelne Geräte, sondern ganze Systeme verkauft», erklärte sie: «Zudem kommen neue Konkurrenten aus China dazu, die günstiger produzieren.» Das führe zu einer ganzen Reihe von Veränderungen: Es sei nicht mehr nur die Kernkompetenz gefragt, sondern auch Wissen in neuen, digitalen Technologien. Weiter dürfe man nicht warten, bis ein Produkt perfekt ist, um es auf den Markt zu bringen, sondern müsse es schneller lancieren und dann weiterentwickeln.

Auf die fortschreitende Digitalisierung ging Reto Zwygart, pRED HR BP für Schlieren, ein. «Wir haben heute bereits die Industrie 4.0», meinte er. So finde ein Service oft digital und nicht mehr vor Ort statt. Statt analoger Studien könne ein Pharma-Unternehmen eine Simulation mit Patientendaten durchführen. Durch die Digitalisierung gäbe es auch neue Ansprechgruppen: «Aus B2B wird immer häufiger B2B2C», informierte Zwygart. Das heisst: Statt nur von Firma zu Firma wird zusätzlich zum Konsument kommuniziert.

Unter den weiteren Referaten befand sich auch eines zur Employability, bei dem nochmals betont wurde, wie wichtig Eigeninitiative, lebenslanges Lernen und Flexibilität für die eigene Weiterbeschäftigung, aber auch für den Fortbestand des ganzen Unternehmens seien.

Aktive Kernbotschaft

Bereits vor dem Eintreffen der HR-Gäste hatten der AVR Basel und die AVR-Sektion Innerschweiz gemeinsam verbandsinterne Themen diskutiert, wie zum Beispiel welche Kernbotschaft den Slogan «gemeinsam, aktiv, stark» ergänzen soll: Zur Auswahl standen «Ihr Vertrauen für unser Wirken» oder «Mittendrin und für Sie da» – beide entwickelt von der Werbeagentur kreisvier aus Basel. Während der AVR Basel mehrheitlich für die zweite Variante gewesen wäre, plädierte die Sektion Innerschweiz für die erste Kernbotschaft. Der Grund: Die erste Version sei aktiver und zeige, dass etwas bewegt werde. Die zweite Variante sei eher eine Positionierung des Verbands, sie spreche aber die einzelnen AVR-Mitglieder zu wenig an. Diese Argumentation vermochte die Anwesenden zu überzeugen und sie nahmen die erste Kernbotschaft an – allerdings mit einer kleinen Änderung: Neu heisst es «Dein Vertrauen für unser Wirken». Nun soll sich eine Arbeitsgruppe mit der Visualisierung dieser Kernbotschaft auseinandersetzen.

Ein weiteres, wichtiges Thema waren die Reorganisationen: Die AVR-Vorstandsmitglieder wünschten sich ein gemeinsames Vorgehen («one voice»). Zudem war man sich einig, dass sich der AVR stärker auf einzelne Themen fokussieren müsse, um sich nicht zu verzetteln, und mehr agieren statt nur reagieren sollte. Auch eine bessere Schulung in Bezug auf Verhandlungen wurde gefordert.

Vielleicht erhielten die Anwesenden diesbezüglich am diesjährigen Offsite-Meeting eine erste Inspiration durch René Borbonus, der mit viel Sprachwitz durch den Weiterbildungsteil am dritten Tag führte. Der bekannte deutsche Rhetorik-Trainer betonte, wie wichtig Klarheit und Respekt für den Erfolg in der Kommunikation seien. Im Anschluss konnten die AVR-Vorstandsmitglieder das Gelernte in Übungen gleich in die Tat umsetzen.

Damit auch die Kontaktpflege und das leibliche Wohl nicht zu kurz kamen, fand am zweiten Seminartag gemeinsam mit den HR-Vertretenden ein Social Event statt, der die muntere Schar bergauf in die Bärenstube des Hotels Rigi-First führte.

Sabine Knosala